Die Geschichte des Fallschirmspringens

Die erste Beschreibung eines Fallschirmes stammt aus dem Jahre 1495 von Leonardo da Vinci. Gesprungen ist da Vinci allerdings nicht. Erste Überlieferungen stammen jedoch bereits aus dem Jahre 1306, als chinesiche Akrobaten anläßlich der Thronbesteigung des Kaisers Fu-Chien mit Schirmen von einem hohen Turm gesprungen sein sollen. Der Mathematiker Fausto Veranzio sprang 1617 mit einem stoffbespannten, quadratischen Holzrahmen von einem Turm in Venedig. Josef Montgolfier konstruiert einen halbkugelförmigen Fallschirm (1777) mit einer Domöffnung. Beim Sprung vom Dach seines Hauses bleibt er unverletzt. 1783 springt Sébastian Lenormand mit einem kegelförmigen, stoffbespannten Weidengeflecht von einem hohen Turm. Die Eigenkonstruktion ist durch 32 Schnüre mit einem Sitzkorb verbunden. 1785 setzt Jean Pierre Blanchard einen Hund mit einem Fallschirm aus einer Ballongondel ab. Im gleichen Jahr muss er einen Notsprung durchführen. Sein selbstkonstruierter Rettungsschirm hat 7m Durchmesser und eine Mittelstange zur Sicherung der Öffnungsvorganges. Mit der Entwicklung des Ballons schritt auch die des Fallschirms voran. Einer der ersten Fallschirmabsprünge der Geschichte fand am 22. Oktober 1797 aus 700m Höhe über einem Park in Paris statt. Konstruiert wurde dieser Fallschirm aus nichtstarren Bauelementen vom Physiker Jean Garnerin, der durch seinen jüngeren Bruder André Jacques Garnerin aus einem Ballon gesprungen wurde. Der Durchmesser des Fallschirmes war 7,80m.

1495

Zeichnung eines Fallschirms von Leonardo da Vinci, dem Universalgenie der Renaissance.

Nach seinen Vorstellungen konnte man mit einem solchen pyramidenförmigen Baldachin aus jeder beliebigen Höhe herabspringen.

 

Ebenfalls aus einem Ballon sprang der Franzose Charles Guille am 2. August des Jahres 1819. In 3000m über New York führte er den ersten Freifallsprung durch. Er öffnete jedoch bereits nach 100m seinen Schirm. Denn damals war man, wie auch noch hundert Jahre später davon überzeugt, man würde nach wenigen Sekunden freiem Fall bewusstlos werden. Die Tatsache, dass er nicht ohnmächtig wurde, schrieb er lediglich dem starken Eau de Cologne zu, mit dem er sich vorbeugend eingerieben hatte. 

Mit der Idee den Fallschirm in eine Hülle zu packen wurde die Deutsche Käthe Paulus (Frankfurt a.M.), die wohl bedeutendste Springerin der Geschichte. Von einem Ballon aus wagte sie ab 1893 über hundert "Fallschirmabstürze", aus über 1.000 Meter Höhe. Von nun an wurden die Fallschirme sorgfältig gepackt. Käthe Paulus stellte nahezu 7000 Fallschirme samt Verpackung in einer eigenen Fabrik in Berlin her. Während des ersten Weltkrieges retteten diese Schirme vielen Ballonbeobachtern das Leben. Die Entwicklung des Fallschirmes schritt unaufhörlich voran. 1912 sprang der Amerikaner Grant Morten mit einem Seidenfallschirm unter dem Arm aus einem Flugzeug. Einen Rückenfallschirm konstruierte der Italiener Pino 1912. Der Hauptschirm wurde bei der Öffnung durch einen kleinen Hilfsschirm herausgezogen. Vom deutschen Luftschiff-Ingenieur Otto Heinecke kommt die Idee zwei Höllen zu benutzen, eine Innere und eine Äußere. Am inneren Verpackungssack waren die Fangleinen eingeschlauft und eine zur Verankerung im Flugzeug bestimmte Aufziehleine angebracht. Dieses Prinzip gestattete erstmals gefahrlose Absprünge aus dem Flugzeug. Mit geringfügigen Abänderungen wird es bis heute verwendet. Am 28.April 1919 führt der Amerikaner Leslie Le Roy Irvin den ersten Freifallsprung mit einem manuell auslösbaren Rückenfallschirm, einer Konstruktion von W.L. Hoffman und Floyd Smith, aus einem Doppeldecker durch.

Werbeplakat

der

Käthe Paulus

Als Vater des deutschen Fallschirmsports gilt Richard Kohnke. Er sprang 1930 aus ein Höhe von 7800m und öffnete seinen Schirm erst nach 142 Sekunden Freifall. Dabei stellte er fest, dass der Springer durch das Verändern der Körperhaltung seinen freien Fall beeinflussen kann. So ist es möglich schnell, langsam, vorwärts, rückwärts oder Drehungen zu fliegen. 1931 findet der erste bekannte Fotosprung statt. Der deutsche Reporter Walter Boettcher fotografiert sich nach manueller Fallschirmöffnung.

Im zweiten Weltkrieg wurde die Springerei zum ersten mal dazu benutzt eine große Anzahl von Soldaten, über den Köpfen der Feinde hinweg, in ein Zielgebiet zu bringen. Die Truppen konnten im Rücken des Feindes abgeworfen werden. Gute Beispiele hierfür sind die Eroberung Kretas durch deutsche Fallschirmjäger und die spätere Landung der Alliierten in der Normandie. Aus dem militärischen Umfeld ist die Springerei heutzutage nicht mehr wegzudenken (Sprungeinsatz von Spezialeinheiten im Golfkrieg). 

Die Masse der Luftlandetruppen wird jedoch mit automatischen (zwangsausgelösten) Fallschirmen in Höhen von ca. 100-200m, je nach Erfordernis sowohl bei Tage als auch in der Nacht abgesetzt, damit die Zeit zwischen Erkennen und Einsatzbereitschaft abgesetzter Soldaten möglichst kurz gehalten wird. Nur einige Spezialkräfte /z.B. Fernspäher) benutzen manuell ausgelöste Fallschirme, mit denen man z.B., aus großer Höhe (bis über 8000m Höhe, dann allerdings unter Verwendung von Sauerstoffgeräten) und bei relativ geringer Öffnungshöhe springen kann. Mit Flächenschirmen ist es z.B. je nach Windrichtung und -geschwindigkeit möglich, bis zu ca. 30 - 40km weit zielgenau zu einem Einsatzort zu gleiten.

Im Freizeitbereich hat eine enorme Entwicklung zu immer neuen Arten des Springens und zu immer leistungsfähigeren Schirmen hin stattgefunden. War es anfänglich nur die Zielspringerei, die die Springer reizte, so sehen wir uns heute dem Paragliding, Kappenrelativ, Formationsspringen (Relativspringen), Freestyle, Skysurfen, Head-Down bis hin zum BASE-Jump gegenüber.